Die hübsch gemachte Braut
Shownotes
In dieser Folge:
- Die Kaufpreismechanik als Motiv: EBITDA-Multiple, Cash-and-Debt-free, Working-Capital-Referenz
- Sale-Leaseback ohne Not: Tafelsilber verkaufen, Bilanz verkürzen, Verpflichtungen verstecken
- Factoring vor dem Deal: Finanzierung, verkleidet als operativer Cashflow
- Reverse Factoring: verdeckte Verschuldung in den Lieferantenverbindlichkeiten
- Die Lagerbestands-Masche: Verkauf und Rückkauf über Reverse Factoring als verdecktes Darlehen
Die zentrale Frage der Folge: Welchen unternehmerischen Sinn hat diese Transaktion?
Feedback und Kontakt: https://www.linkedin.com/in/patrick-schneider1/
Transkript anzeigen
00:00:09: Forensic Investigations – der Podcast.
00:00:23: Herzlich willkommen zu Forensik Investigations, der Podcast!
00:00:27: Hier erhaltet ihr regelmäßig neue Episoden zu Themen rund um forensische Sonderuntersuchungen, Wirtschaftskriminalität und Compliance.
00:00:35: Mein Name ist Patrick Schneider.
00:00:36: ich bin Certified Fraud Exeminar- und Unterstützerunternehmen bei der Durchführung von internen Sonderuntersuchungen sowie der Verbesserung ihrer internen Kontrollsysteme.
00:00:48: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Forensic Investigations, dem Podcast.
00:00:53: Heute geht es um eine Frage die auf den ersten Blick eher baneig klingt, die aber in meiner Arbeit als forensischer Berater eine der schärfsten Waffen ist, die ich habe.
00:01:02: Die Frage lautet Welchen unternehmerischen Sinn haben bestimmte Handlungen vor einer Transaktion?
00:01:10: Das stinkt jetzt erstmal harmlos.
00:01:11: das ist es aber nicht Denn es gibt eben Geschäfte, die ein Unternehmen abschließt.
00:01:16: Die jetzt keinen erkennbaren betrieblichen Zweck haben!
00:01:19: Sie machen das Unternehmen jetzt nicht besser und nicht effizienter, nicht webbewerbsfähiger... Das einzige was sie machen ist, sie machen die Zahlen schöner.
00:01:28: Also zum Beispiel mehr Cash zum Stichtag Weniger ausgewiesene Schulden Besseres Working Capital Ein höheres EBITDA.
00:01:36: Und wann genau braucht man schöne Zahlen am dringendsten?
00:01:39: Genau wenn man verkaufen will.
00:01:42: Im M&A Jaguar nennt man das die Braut-Hübschmachen und heute schauen wir uns an wie diese Kosmetik konkret funktioniert.
00:01:51: Also ich gehe mit euch mal durch drei Instrumente, die für sich genommen vollkommen legitim sind.
00:01:55: Das ist zum einen Say Leaseback Factoring und Reverse Factoring.
00:02:00: Und dann zeige ich ein Konstrukt dass ich in der Praxis gesehen habe Dass dann den Boden der Legitimität verlassen hat.
00:02:09: Am Ende dieser Folge sprechen wir auch kurz darüber, warum solche Dinge in der Due Diligence regelmäßig durchrutschen und wie man sowas nach dem Closing vielleicht finden kann.
00:02:18: Und was man dann noch tun kann als Käufer?
00:02:21: Eine Anmerkung vorab!
00:02:22: Alles das ich heute beschreibe ist anonymisiert und verergemeinert.
00:02:25: also es geht um Mechaniken nicht um konkrete Fälle.
00:02:28: Und noch eine zweite Anmerkung... Ich habe's zwar gerade schon gesagt aber keines dieser Instrumente ist jetzt per se verboten oder anrüchig.
00:02:36: Es kommt nur darauf an wieso oft auf den Zweck.
00:02:40: Und genau deshalb ist die Frage nach dem unternehmerischen Sinn sehr wichtig!
00:02:45: Wir beginnen erstmal mit der Grundlage, warum macht man diese Braut jetzt hübsch?
00:02:50: Also was ist die Mechanik?
00:02:53: Wir müssen also verstehen, warum sich der Aufwand für ein Verkäufer überhaupt lohnt.
00:02:57: und dafür reicht einen Blick auf die übliche Kaufpreisformel.
00:03:01: Die meisten Unternehmenskäufe, sagen wir mal im Mittelstand werden über ein Multiple-Bit preist.
00:03:07: das heißt also der Kaufpreiss ist gleich EBITDA mal Faktor, also mal Multiple.
00:03:13: Und jetzt kann es sein, je nachdem der Branchenabhängig und so ein bisschen abhängig davon wie das Unternehmen aufgestellt ist, das beeinflusst dann den Faktors auch.
00:03:20: Also sagen wir mal dass es der Faktore ist jetzt acht.
00:03:23: Dann ist jeder Euro EBITTA, den ich zum Bewertungs-Stichtag mehr zeige, gleich acht Euro Kaufpreis.
00:03:29: Jeder einzelne Euro!
00:03:31: Das ist also der Hebel über dem wir reden.
00:03:35: Dazu kommen dann Mechaniken wie Cash and Depth Free, also der Kaufpreis wird angepasst um die Nettoverschuldung.
00:03:41: Also Kasse minus Finanzschulden.
00:03:44: Das heißt natürlich dass der Cash der am Stichtag da ist auch auf den Kaufpreise sich nieder schlägt.
00:03:50: Mehr Finanzschulen heisst dann wiederum weniger Kaufpreisen.
00:03:53: und es gibt dann noch Working Capital Referenzen.
00:03:55: also man sagt irgendwie das war ich das Umlaufvermögen zum Stichtag von einem vereinbarten Nominalwert ab?
00:04:02: Dann wird auch das verrechnet.
00:04:04: Und das sind jetzt nur so drei Stellschrauben, aber um die geht es auch ein bisschen.
00:04:08: Das heißt wenn man die jetzt kennt weiß man auch wo ein Verkäufer ansetzt der nachhelfen will.
00:04:13: erstens er bitt ja rauf erhöht den gesamten verkaufswert.
00:04:17: zweitens cash drauf und ausgewiesene finanz schulden runter möglichst.
00:04:22: drittens working capital sollte in richtung des referenzwerts frisiert werden also dass man eben auf diesem referenz wert bleibt oder sich in der nähe befindet und alles was ich heute zeige zahlt auf mindestens eine dieser drei Stellschrauben ein.
00:04:36: Und jetzt kommt der Punkt, der das Ganze forensisch eigentlich so interessant macht.
00:04:40: für diese Effekte und um das zu minimieren oder zu maximieren muss man keine Zahl fälschen.
00:04:47: Man muss keine Belege manipulieren, keine Buchung erfinden.
00:04:52: es reicht reale Transaktionen abzuschließen die Cash bewegen und Real bilanziert werden Nur eben Transaktionen, deren einziger Zweck die Wirkung auf diese Kennzahlen ist.
00:05:02: Und das ist der Unterschied zwischen klassischem Bilanzbetrug und dem worüber wir heute reden also einer Grauzone... ...und es ist auch der Grund warum das so schwer zu greifen ist.
00:05:12: Reden wir mal über Instrument Eins.
00:05:14: Vielleicht kennen das einige schon?
00:05:15: Das ist also Sail Leaseback ohne Not.
00:05:18: Fangen wir mit einem Klassiker an.
00:05:20: Also Sail Leasback bedeutet ich verkaufe einen Vermögensgegenstand zum Beispiel jetzt eine Immobilie oder ein Maschinenpark und miete das dann sofort zurück.
00:05:31: Ich nutze das Ding also weiter wie vorher, aber es gehört mir nicht
00:05:33: mehr.".
00:05:34: Und es gibt super viele gute Gründe für so eine Transaktion.
00:05:37: zum Beispiel ein Unternehmen, dass wachsen will und Kapital jetzt für neue Investitionen braucht kann jetzt gebundenes Kapital freisetzen.
00:05:44: Das ist völlig legitim machen viele und ist oft auch sinnvoll um auch für Fixkostenvariabilisierung und sowas ist das auch interessant.
00:05:54: Sowas mag jetzt abwegig erscheinen Aber im privaten kennt man das ja durchaus auch.
00:05:59: Also, dass ältere Menschen beispielsweise die eine Wohnung besitzen mit... ...siebzig-fünben-sebzig dann sagen hey, hast du was?
00:06:06: Ich verkaufe sie jetzt um einfach nochmal mir ne schöne Endzeit hier zu gönnen über fünf oder zehn Jahre.
00:06:13: ich möchte einfach viel Kreuzfahrten machen, ich möchte reisen, ich bin noch gesund genug!
00:06:17: Ich möchte mein Enkeln und Kindermask kaufen.
00:06:21: Ich möchte einfach ein bisschen leben.
00:06:23: Dann verkaufen Sie Ihre
00:06:23: Wohnung?!
00:06:24: kriegen dann die twohundfünfzigtausend Euro Kaufpreis und verbriefen sich aber das Recht, dort als Mieter so lange wohnen zu bleiben wie sie das möchten.
00:06:32: Das ist also quasi ein Sale-At least back damit man das mal versteht.
00:06:39: Jetzt gibt es aber auch noch eine andere Variante.
00:06:41: Also wenn wir jetzt wieder im Unternehmenskontext bleiben Ein Unternehmen das jetzt keinerlei Investitionsbedarf hat verkauft ohne Not, sagen wir mal einen Jahr oder achtzehn Monate vor dem geplantem Unternehmenverkauf sein Betriebsgrundstück.
00:06:53: Und was passiert jetzt in den Zahlen?
00:06:54: Also einmalig fließt jetzt Cash zu durch den Verkauf.
00:06:58: Dadurch entsteht oft ein Buchgewinn, wenn zum Beispiel der Verkehrswert über dem Buchwert lag und die Bilanz wird jetzt kürzer und sieht solider aus.
00:07:07: Je nachdem wie bilanziert wird verschwindet die Zahlungsverpflichtung aus den nächsten fünfzehn Jahren weitgehend aus dem Blickfeld.
00:07:14: Der Käufer des Unternehmens übernimmt also eine Firma, die auf den ersten Blick liquide und Schuldenarmen aussieht.
00:07:20: Was aber tatsächlich übernimmt, ist eine Firma die ihr Tafelsilber jetzt verkauft hat und jetzt fünfzehn Jahre lang Miete auf ein Objekt bezahlt das sie vorher gehörte.
00:07:29: Und die Frage nach dem unternehmerischen Sinn hätte hier sofort Alarm geschlagen.
00:07:33: also wofür wurde eigentlich jetzt das Freigesetzekapital verwendet?
00:07:37: Wenn die Antwort jetzt lautet für nichts oder um irgendwelche kurzfristigen Kosten zu bedienen dann ist dieser Saley's Bag im Grunde schädlich für das Unternehmen gewesen.
00:07:48: Im Beispiel, was ich vorhin benannt hatte von älteren Leuten die ihre Wohnung verkaufen und dann das Geld zu verleben ist es im Grunde egal.
00:07:55: Interessiert höchstens die Erben, die dann Nase streichen.
00:07:58: für die alten Leute?
00:07:59: Ist das Verein oder das letzte Hemd hat keine Taschen?
00:08:02: allerdings ist ein Unternehmen ja etwas, was weiter fortgeführt wird über Generationen über Jahrzehnte, Jahrhunderte.
00:08:08: im besten Fall.
00:08:09: Und da gibt es eben nicht so diesen End Punkt, wo man sagt so und bis dahin können wir das Geld verjuchsen sondern einen Verkauf von echten Assets.
00:08:22: Sollte eigentlich nicht dazu führen dass man Das tafel silber sozusagen verschleudert hat Sondern dass man es reinvestiert um irgendwie sie an anderer stelle gut und positiv auszustellen.
00:08:31: für die zukunft Und immer wenn dies nicht der Fall ist sollte man genauer hinschauen ob es nicht einfach nur ein Grund hatte um die braut eben aufzuhübschen.
00:08:40: und vor allen Dingen ist für den Käufer besonders relevant, weil man sieht dass da ein Stück Werteidigkeit verloren gegangen ist.
00:08:48: Gehen wir mal auf das zweite Instrument, das sogenannte Factoring.
00:08:52: Das ist im Grunde eine ähnliche Logik aber eine andere Bilanzposition des Factoring heißt so viel wie.
00:08:58: ich verkaufe meine Forderungen aus Lieferung und Leistung an einen Finanzierer und bekomme sofort das Geld anstatt jetzt dreißig oder sechzig Tage auf die Zahl meiner Kunden zu warten.
00:09:09: Auch das ist ein absolut normales Finanzinstrument und bei ganz vielen Unternehmen standardmäßig im Einsatz.
00:09:15: Interessant wird es wieder durch das Timing und den Zweck, also wenn ein Unternehmen, das nie Factoring gemacht hat plötzlich sechs Monate vor dem Verkaufsprozess damit anfängt dann passiert Folgendes Also die Forderungen verschwinden aus der Bilanz oder sinken stark ab Cash fließt plötzlich zu Und Working Capital sinkt.
00:09:35: In den Kennsteilen sieht das aus wie ein Unternehmen dass sein Forderungsmanagement jetzt man drastisch verbessert hat und die Kunden schneller zum Zahlung bringt.
00:09:43: Tatsächlich hatte er aber eigentlich einen Teil seiner zukünftigen Einzahlungen an einem Dritten verkauft mit Abschlag, das ist ja das was dabei so relevant ist.
00:09:51: Also diese Instrumente kosten ja auch Geld.
00:09:54: beim Factoring zahlt man dem Finanzierer Geld dafür dass der frühzeitig eben zahlt und die Forderung übernimmt.
00:10:02: Der Effekt auf den es jetzt ankommt ist, dass dieser Cash-Zufluss aussieht wie jetzt.
00:10:06: operativer Cashflow Das is' aber keiner Sondern man hat sich im Grunde den Cashflow, den man in Folgemonaten bekommen hätte wenn man weiter auf seinem bisherigen Modell verblieben wäre schon früher einverleibt.
00:10:19: Und die Red Flag ist hier eigentlich schon ziemlich simpel.
00:10:23: Man sollte sich anschauen ob in den letzten zwölf bis vierundzwanzig Monaten vor dem Deal eben neue Finanzierungsinstrumente eingeführt wurden und dann sollte man sich immer fragen warum denn jetzt?
00:10:32: Was war jetzt genau der Anlass damit ihr jetzt so massiv mit Factoring anfängt?
00:10:38: Gab es jetzt ein Liquiditätsengpass oder Wachstumsprojekt, irgendein Betrieblichen Grund?
00:10:43: Oder war das jetzt einfach nur der Kalender auf dem es steht.
00:10:48: Wir sind im Verkaufsprozess und dann ist ungefähr Stichtag.
00:10:51: bis dahin möchten wir möglichst viel Cash hier akumulieren.
00:10:56: Jetzt gehen wir nochmal auf ein weiteres Instrument ein Das ist sogenannte Reverse Factoring.
00:11:02: Das ist ein bisschen komplizierter zu verstehen.
00:11:05: Also Reverse Factoring nennt man auch manchmal Supply Chain Financing und da geht es darum, dass man das Factoring umdreht.
00:11:13: also nicht meine Forderung werden finanziert sondern meine Verbindlichkeiten.
00:11:18: Das heißt also einen Finanzierer bezahlt meine Lieferanten sofort und ich bezahle dem Finanziererspäter Und oft ist das deutlich später mit Zahlungszielen von, weiß ich nicht, um neunzig oder sogar hundertzwanzig Tagen manchmal sogar noch mehr.
00:11:32: Also ich kann theoretisch mir jetzt schon Dinge beschaffen, Warenbeschaffen von meinen Lieferanten die Einsätzen benutzen und der Finanzierer gewährt mir im Grunde auf diese Verbindlichkeit einen verlängerten Zahlungszeitraum.
00:11:49: also ich muss dann erst viel viel später zahlen.
00:11:51: Es ist wie ein kleiner Kredit den ich aufnehme Und das Problem dabei, aus meiner Sicht liegt so ein bisschen in der Bilanz.
00:11:58: Also die Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzierer wird in der Praxis häufig weiterhin als Verbindlichkeitsauslieferung und Leistungen ausgewiesen und nicht als Finanzschuld.
00:12:07: Das habe ich schon gesehen, hab' ich häufiger gesehen und dabei ist es aber eigentlich so dass das Geld links nicht mehr in den Miniferanten geschultet wird sondern diesen Finanzierern also einer Bank.
00:12:16: Und wirtschaftlich ist das ein Kredit.
00:12:18: So bilanziell steht es häufig bei den für die Verandtenverbindlichkeiten also im Working Capital.
00:12:25: Und jetzt nochmal an die Kaufpreismechaniker erinnert vom Anfang, die Finanzschulden werden eben vom Kaufprei abgezogen.
00:12:31: Die Verrandenverbindlichkeit in der Regel aber nicht, die laufen über das Working Capital wenn überhaupt!
00:12:36: Also ein Unternehmen kann sich über Reverse Factoring faktisch verschulden ohne dass diese Verschuldung in dieser Dep-Free Rechnungen auftaucht und die Definition von Finanzschulen im Kaufvertrag ist deshalb nicht irgendeine Formalie für die Anwälte sondern wirklich bares Geld.
00:12:52: So was kann noch sehr groß werden, wenn man das eben maximiert.
00:12:55: Ich denke dass die Leute, die in M&A arbeiten und diese Folge hören, dass aus Erfahrungen sehr gut kennen werden.
00:13:03: Jetzt kommen wir zu einer Masche, die ich gesehen habe Und die als Konstrukt vor allen Dingen auf Reverse Factoring baut.
00:13:11: Im Prinzip funktioniert es so wie Reverse factoring nur mit einem Schritt vorher und der macht das ganze absurd.
00:13:17: Das Unternehmen sagen wir mal hat Bestände verkauft einen erheblichen Teil dieser Lagerbestände an ein drittes Unternehmen.
00:13:25: So, dieses Unternehmen zahlt auf der Stelle.
00:13:28: Das Unternehmen braucht allerdings natürlich diese Bestände weiterhin weil es ja produzieren und liefern muss.
00:13:33: also kauft ist die selben bestände zurück von diesem anderen Unternehmen.
00:13:38: Und jetzt kommt der Kniff.
00:13:40: Die Rückkäufe werden eben nicht sofort bezahlt sondern über Reverse Factoring finanziert.
00:13:45: Also dieser Finanzierer bezahlt den Verkäufer des Unternehmens schuldet dem Finanzierern jetzt den Betrag mit langem Zahlungsziel.
00:13:53: Und in der Bilanz landet das wie eben besprochen bei den Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistungen, und sehen wir uns jetzt mal an im Wortsinn also was ist wirtschaftlich passiert?
00:14:02: Natürlich hat niemals irgendein Rohstoff das Lager verlassen.
00:14:07: Das wurde im Lager liegend verkauft und wieder gekauft.
00:14:12: Im Grunde wurde jetzt eigentlich nur ein Kredit aufgenommen und als Sicherheit wurden diese Lager Bestände eben gegeben.
00:14:22: Und das ist jetzt so der wirtschaftliche Gehalt eines Darlehens, also im Grunde müsste man sagen dass es ein Kredit zahntechnisch ist aber anders denn es gibt einen Cash Zufluss, der sieht operativ aus weil was verkauft wurde dann habe ich reduzierte Vorräte und es sieht auch effizienter aus und Ich hab vor allen Dingen eine Rückzahlungsverpflichtung an diesem Finanzierer der aber als Lieferantenverbindlichkeit daherkommt.
00:14:45: Also keine Position die kredit schreit.
00:14:48: Das ist im Grunde für die Kaufpreismechanik gefährlich, denn ich habe zum Stichtab mehr Cash.
00:14:54: Ich habe keine zusätzliche Finanzschuld in dieser Dep-Free Rechnung und mein Working Capital sieht besser aus.
00:15:00: Also da hab' ich alle drei Stellschrauben auf einmal gedreht.
00:15:03: und was Gutes aus Verkäufer Sicht?
00:15:06: Jeder Einzenschritt für sich ist ein real dokumentierter und bezahlter Geschäftsvorfall!
00:15:11: warum diese masche jetzt überhaupt funktioniert fragt man sich jetzt warum sollte ein drittes unternehmen diesen schmu mitmachen also lagerbestände kaufen und die dann sofort zurück verkaufen?
00:15:20: ja das war in diesem fall wurde eben derjenige der dort in charge war, wurde dann mit so einem bisschen geld bedacht an der seite und dann war das für den auch relativ risikofrei.
00:15:33: Um dieses Risiko eben noch weiter zu reduzieren wurde es sogar so gestaltet, dass der bereits sein Cash vom Finanzierer erhalten hatte bevor er denn selber das die Lagerbestände gekauft hatte also richtig bezahlt hatte.
00:15:49: Und das ist dann schon spannender Vorgang.
00:15:54: Wie kann man jetzt sowas eigentlich erkennen bei einer Investigation?
00:15:59: Erstens wäre zum Beispiel der wahren Verkauf oder der Lagerbestandsverkauf selber schon mal auffällig.
00:16:04: Also wenn jetzt kurz vor einem feiner Transaktion plötzlich die Lager bestände im großen Stil verkauft werden, sollte man sich angucken erstmal an wem wird das verkauft?
00:16:14: Ist es ein normaler Kunde und seit wann werden eigentlich lagerbestände hier einfach verkauft?
00:16:19: also eigentlich sollten dir in Produkte eben weiter verwertet werden um diese dann höherpreisig zu verkaufen.
00:16:28: Und ist auch dann die Frage, ist da überhaupt eine Marge gewesen oder für wie viel wurden dir eingekauft und für wie viele wurden sie verkauft?
00:16:34: Geht es da ums verdienen oder worum geht's?
00:16:37: Zwei ist dann der Rückkauf.
00:16:38: Also warum wird dann was zurück gekauft, das man gerade erst verkauft hat?
00:16:42: Hat es überhaupt Materialbewegungen gegeben!
00:16:45: Und drittens natürlich das Timing.
00:16:46: also wann fangen solche Dinge an?
00:16:49: wurde das jetzt so drei vier fünf Monate vor Bewertungsstichtag oder Bilanzstichtageben angefangen?
00:16:57: und dann sollte man sich anschauen ob das überhaupt ein Muster ist, dass im normalen Geschäft einen Grund hätte.
00:17:04: Und natürlich sollte man die Verträge angucken.
00:17:06: also häufig werden dann eben Verkäufe und Rückkäufer.
00:17:12: irgendwie müssen auch vereinbart werden.
00:17:14: es wird vielleicht nicht in den Verträgen stehen aber weil sie in Handgeschäfte sind aber möglicherweise findet man dazu etwas in der E-Mail-Kommunikation.
00:17:24: Jetzt fragt man sich auch warum wird das nicht in der due diligence auf.
00:17:28: Ja, das hat man schon gehört als ich die Folge gemacht habe zu Grenzen der due Diligence dann wird man das schon ahnen.
00:17:35: also diese vernünschte due diligence beispielsweise ist jetzt keine forensische Untersuchung sondern die arbeitet auch unter Zeitdruck mit den Unterlagen die der Verkäufer in den Datenraum stellt und Das wird eben auf plausibilität geprüft aber nicht auf aktive Täuschung.
00:17:48: Und genau da liegt auch das Problem.
00:17:50: Die Konstruktionen Und die Instrumente, die da verwendet werden sind absolut plausibel und legitim wie schon gesagt.
00:17:57: Und jede Transaktion hat einen Vertrag eine Rechnung ein Zahlungsfluss.
00:18:01: Man muss schon genau reingucken um dann zu bemerken dass das eigentlich nur so ein Hin- und Hergeschäft war Zu dem Zweck um sich einen Kredit zu verschaffen der aber nicht als Kredit ausgewiesen werden muss sondern Als Verbindlichkeit aus Lieferung und Leistungen.
00:18:15: Da muss man erstmal drauf kommen.
00:18:17: Das ist jetzt hier auch keine Kritik an Menschen, die due diligence in Transaktionen machen.
00:18:22: Das soll jetzt nicht deren Arbeit irgendwie kleinreden sondern das ist ein Job den sie machen innerhalb der Grenzen, die dieser Job hat.
00:18:29: und eine saubere DD ist einfach kein Freifahrtschein dass man annimmt, dass dort keinen Betrug im Unternehmen existiert und keine Bilanzmanipulationen existieren.
00:18:42: So wir sind jetzt schon fast am Ende der Folge angelangt.
00:18:44: ich fass nochmal zusammen.
00:18:45: also es gibt legitime Instrumente wie beispielsweise Saylesback Factoring, Reverse Factoring und die sind auch legitim und vernünftig so lange sie einen betrieblichen Zweck dienen.
00:18:58: Und verdächtig aus unserer Sicht als Forensiker ist eben wenn diese Instrumente eigentlich nur dem Zweckdien kennenzahlen zu einem bestimmten Stichtag zu verbessern.
00:19:08: denn man muss ja immer sagen diese Finanzinstrumente haben alle ihren Preis.
00:19:13: Reverse Factoring und Factoring haben ein ganz klares Preisschild, nämlich das was der Finanzierer bekommt dafür dass er eben Forderungen beziehungsweise Verbindlichkeiten übernimmt.
00:19:24: Das heißt wenn du eine Sache jetzt aus dieser Folge mit nimmst dann sollte man sich die Frage stellen welchen unternehmerischen Sinn hat denn jetzt bestimmte Transaktionen oder der Einsatz bestimmter Finanzinstrumente?
00:19:36: Wenn dir diese Folge etwas gebracht hat, dann abonniere dem Podcast gerne und empfehle ihn weiter.
00:19:41: Gerne auch an Kollegen aus der M&A-Praxis!
00:19:44: Fragen und Anmerkungen erreichen mich über LinkedIn.
00:19:47: Der Link ist in den Show Notes.
00:19:50: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
00:19:52: Ciao.
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